Ein sehr spannendes Thema, auch wenn einiges bekannt ist.
Laut Duden sind Synonyme von "demnächst": bald, binnen Kurzem, dieser Tage, in absehbarer/nächster Zeit, in Kürze, in [naher] Zukunft, künftig, nächstens, über kurz oder lang, zukünftig; (gehoben) dereinst, dermaleinst; (veraltend) alsbald; (Papierdeutsch) in Bälde.
Also, das ist wahrhaft ne echte Hausnummer… eine Theorie an der man sich ganz flux die Finger verbrennt, aber sie gehört unausweichlich zu den Basics und somit werd ich‘s versuchen….
Man könnte jenes Modell von Friedemann Schulz von Thun ja als Kommunikationskalauer bezeichnen, einen alten Hut ohne Mehrwert…
Mal bevor ich die Theorie erkläre; ich fange hinten an: Jede gesendete Nachricht kann in 4 verschiedene, gemeinte Nachrichten unterteilt werden und jede empfangene Nachricht kann in 4 verschiedenen Wegen verstanden werden. Ok, so what? Wissen wir, kennen wir und hat ja keinen praktischen Nutzen… muss ich mir keine Gedanken drüber machen und das ist klassischer Müll von Kommunikationsexperten… das dachte ich selbst auch mal…
Leider gibt es dabei zwei große Haken: 1. Man kann das Modell nicht aushebeln. Es ist sozusagen ein Axiom der Kommunikation 2. Es ist extrem schwierig Menschen klar zu machen, dass es völlig egal ist was sie sagen (provokant, ich weiß. Aber ich werde es erklären)
Soweit zur Einleitung und ich hoffe ich habe eure Aufmerksamkeit…
Das Modell an sich ist schnell erklärt und abgehakt. Für jede Nachricht gibt es 4 Ebenen: - Sachebene
- Beziehungsebene
- Selbstoffenbarungsebene
- Apellebene
Es ist einfacher mit nem Beispiel (Ich nehme mal ein Klischee, weil ich Überzeichnungen oft sehr nützlich finde)
Er sitzt auf der Couch, sie daneben: Er nimmt den letzten Schluck aus seiner Bierflasche…
„Schatz, das Bier ist alle“
Schauen wir uns mal die 4 Ebenen an:
Sender: 1. Beziehungsebene: „Ich bin der Meinung, du solltest mir ein neues Bier holen, weil ich härter arbeite als du“ 2. Selbstoffenbarungsebene: „ich würde sooo gerne noch ein Bier trinken“ 3. Apellebene: „Hol mir ein neues“
Empfänger: 1. Beziehungsebene: „Ich soll ihm ein Bier holen, weil er wie immer glaubt ich sei seine Dienerin“ 2. Selbstoffenbarungsebene: „Ich will nicht schon wieder für ihn aufstehen, nur weil er zu faul ist“ 3. Apellebene: „ Er will, dass er immer ein neues Bier hat, wenn seins leer ist“
Ok.. die Sachebene habe ich wie immer weggelassen. Warum? Sie ist beiden Parteien klar, aber wird niemals als erstes wahrgenommen. Selbst wenn sie seinen Satz mit „Stimmt“ kommentiert, tritt sie ein neues 4-Ohren los:
1. Beziehungsebene: „Sie will mich provozieren“ 2. Selbstoffenbarungsebene: „Ich mag es nicht, wenn sie so antwortet“ 3. Apellebene: „Ich soll mir selbst eins holen“
Zweites Beispiel:
Beide sitzen auf der Couch und das Fenster ist offen. Sie sagt:
„Mir ist kalt“
Sender: 1. Beziehungsebene: „Wenn du mich liebst, solltest du das Fenster schließen“ 2. Selbstoffenbarungsebene: „Ich will nicht frieren, aber auch nicht aufstehen“ 3. Apellebene: „Mach das Fenster zu“
Empfänger: 1. Beziehungsebene: „ Soll ich jetzt aufstehen, weil sie denkt ich tue alles für sie?“ 2. Selbstoffenbarungsebene: „Ich will nicht aufstehen nur weil sie mal wieder kalt hat“ 3. Apellebene: „Sie will, dass ich das Fenster schließe, bevor sie anfängt zu frieren“
Ok Fazit: Die Aussagen variieren, je nach Charakter… nagelt mich nicht fest… jeder versteht es anders und das ist im Prinzip ein absoluter Beweis für diese Theorie.
Was ich immer wieder höre: „Bei uns ist das anders; ich sage was ich denke, bin immer ehrlich… ich sage: „Schatz, mach bitte das Fenster zu / Schatz, geh mir bitte ein Bier holen“ (Viele betonen auch an der Stelle das *bitte*)
Antwort: „Ach, du denkst das wäre jetzt meine Aufgabe“
Schon wird vielen klar, dass es so einfach nicht ist. Die Sachebene wird nicht gehört… naja, zumindest selten.
Man kann das Modell nicht aushebeln und zu guter Letzt spielt es halt keine Rolle was oder wie ich etwas sage… es gibt nur ein Eichmaß:
Wie kam es bei meinem Gegenüber an!
In vielen Fällen hilft es, genau das zu hinterfragen… aber auch nicht immer… *Warum fragstn jetzt so blöd, du weißt genau wie ich es verstanden hab.“ Weil eben genau diese Frage wieder 4-Ohren auslöst.
Ihr kennt sicher die Situation: Ihr erklärt einem euch sehr wichtigen Menschen, was er falsch macht. Stunden-, tagelang und er versteht es einfach nicht. Irgendwann kommt einer daher und sagt ihm nen Satz dazu und er versteht es sofort. Quittiert das dann auch noch *Xy hat es mir sooo gut erklärt* Ihr beißt euch in den Arsch, weil ihr doch genau das immer gemeint habt. Aber der Xy hat ihn auf dem richtigen Ohr erwischt.
Es lag nie an euren Worten… egal wie gut ihr seid… es lag an dem was die Zielperson verstanden hat. Es kann exakt dasselbe Argument gewesen sein, aber es kam anders an.
Der letzte Mythos der Story wäre dann, das viele denken für ne Beziehungsebene braucht es Zeit. Bullshit! Eine Beziehungsebene baue ich auf bevor ich mit jemandem das erste Wort wechsle… 30 Meter Abstand reichen um meine Vorurteile wirken zu lassen…
Ich hoffe, es hat euch ein wenig gefallen und stelle in Aussicht, dass die nächsten Themen weniger brisant werden… Ich bin trotz allem auf eure Kommentare gespannt und stehe gerne Rede und Antwort.
Und noch zur versprochenen Version bzgl. schriftlicher Kommunikation (da wird es schwerer) und um es etwas interaktiv zu gestalten, gebe ich euch mal ne Aussage und ihr gebt mir dazu die 4 Seiten…
Um 11:30 im Büro… ein Kollege betritt den Raum und sagt:
Zitat von Bonnie Parker im Beitrag #21Ich habe mich in sehr vielen Beispielen wiedergefunden ... bzw. beziehungstechnische Erlebnisse.
Aber wo ist der Weg raus aus der Misere? Kommt der noch, oder habe ich ihn überlesen, weil mein Gmail nicht zu plingen aufhört?
Nein, Bonnie... der kommt leider nicht mehr
Das Problem besteht selbst zwischen zwei Kommunikationstrainern....
Sie: "Das hast du jetzt völlig falsch ins Beziehungsohr bekommen" Er: "Ach, ja? War mir klar dass du jetzt nen Ausweg suchst"
Nein... natürlich gibt es zwischen zwei Menschen den Ausweg: "Lass uns mal ganz nüchtern und wertfrei drüber reden" - können leider die wenigsten unter uns...
Man kann versuchen bei jeder Aussage zu refletieren und zu fazitieren
"Also hab ich dich so richtig verstanden...?"
"Es kam bei mir folgendermaßen an..."
Du bist also der Meinung, dass..."
Das sind alles Wege, aber Sie unterliegen dem 4-Ohren Prinzip und können immer anders verstanden werden (es ist nicht wichtig was ich sage, sondern was mein gegenüber versteht - nicht auszuhebeln)
Die schlimmsten 4-Ohren Geschichten dauern Jahre oder lüften sich nie, weil der andere interpretiert, erträgt und schweigt. Wenns rauskommt sind das Sätze wie: "Du hast damals gesagt...." und mit 100%iger Wahrscheinlichkeit geht es ab jetzt nicht mehr um die Sachebene obwohl der Satz sie vielleicht wortgetreu beinhalten wird.
Empathie kann eine Lösung sein. Dem Menschen in die Augen schauen, bemerken was deine Sätze mit ihm machen und schnell reflektieren, regulieren oder auch zurücknehmen. Aber selbst das kann zu spät sein, weils den 4-Ohren unterliegt. Generell ist es allerdings unklug ohne Augenkontakt zu diskutieren, wobei das dummerweise die meisten Paare die länger zusammen sind tun.
Vielleicht wäre es an der Stelle schlau mit Professor Mehrabian weiter zu machen... oder welche wahre Bedeutung hat der Inhalt unserer Aussage in einem Gespräch
Über genau das Thema musste ich damals einen Vortrag in der Schule halten und habe mich viel damit beschäftigt aaaaaaber im Alltag ist es echt witzig sich da mal wieder mit zu beschäftigen.. Das blöde ist ja das viele Einflüsse drumherum dafür sorgen das wir bzw ich mal richtig und mal falsch ausdrücke oder als Empfänger verstehe was mein Partner mir sagen will und vorallem wie.. Wenn er sagt ich hätt jetzt gerne ein Bier und mein Tag war wunderbar, mit der Beziehung bin ich zufrieden und auch sonst fühle ich mich rundum wohl da springe ich auf und denke holste mal deinem liebsten ein schönes kaltes Bier... Ist jedoch die Laune im Kelller und er sagt das mit den selben Worten könnte es auch ganz anders bei mir ankommen und ich mach das berühmte Fass auf
Alles was mir dazu einfällt ist... so sind wir halt wir Menschen
Ein wunderschönes Beispiel dafür, dass man es mal gewichten sollte. Sender-Empfänger? Also ich will ganz sicher mit Friedemann nicht hart zur Sache gehen, aber ich glaube es ist mindestens 70% empfängerlastig... und das hat ganz genau mit dem zu tun, was du geschrieben hast...
Die Wahrheit beim Empfänger ist ja, dass er alle 3 Nachrichten hört (Wie beschrieben, Sachebene ist völlig egal). Welche nimmt er am stärksten wahr?
und in welche Richtung hat Friedemann auch nicht wirklich erklärt...
1. Beziehungsebene: Er denkt ich sei zuständig ihn mit Bier zu versorgen. 2. Beziehungsebene: Er weiß, wie sehr ich ihn liebe und das ich das gerne für ihn tue.
Wo liegen hier die Grenzen? Die sind meines Erachtens fließend. Abhängig von der Tagesform und auch dem generellen Beziehungsstatus. Aber aus meiner Sicht, liegt die Macht die Situation zu bestimmen ausschließlich beim Empfänger (Ok, Macht ist ein sehr hartes Wort... aber ihr wisst was ich meine)
1. Ausfahrt hinter der holländischen Grenze scharf rechts
Ich wollte ja nur sicher gehen, dass ichs noch erlebe, bevor der gnädige Alzheimer mich ins Watte-Land schickt und ich den Zusammenhang nicht mehr versteh
Du hast da echt ein Problem, "Schatz" ... Dich zügig und auf den Punkt fokussiert zu äußern
Wer meint hinter meinem Rücken über mich lästern zu müssen, steht genau richtig, um mich am Arsch zu lecken!